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"Es wuchs der Wunsch nach Selbstständigkeit"
Stationen auf dem Weg aus der Abhängigkeit
Ich bin Jahrgang 1942 und lebte bis zum 13. Lebensjahr mit meiner vom Vater getrennt lebenden Mutter. Meine Kindheit war gestört durch den Missbrauch vom Großvater. Nachdem meine Mutter wieder heiratete, kamen außer einem Stiefbruder noch drei Geschwister dazu. Mit 14 Jahren kam ich aus der Schule und begann im Haushalt einer Bäckerei zu arbeiten. Mit 15 Jahren lernte ich meinen Mann kennen, mit 17 wurde geheiratet. Bald wurden eine Tochter und danach ein Sohn geboren.
Mein Mann war fleißig und sorgte gut für uns. Wir wohnten eine Zeit lang bei der Schwiegermutter, die mich meines Glaubens wegen nicht unbedingt mochte. Mein Mann legte mir zwar nichts in den Weg meine Gottesdienste zu besuchen, hielt aber auch nichts davon. Dadurch hatte ich aber ein gutes Verhältnis zu meiner ebenfalls tiefgläubigen Mutter. Mein Mann neigte mit der Zeit immer mehr zum Alkoholgenuss, mein Stiefvater führte so ziemlich sein eigenes Leben mit anderen Frauen und viel Alkohol, hielt seine eigene Familie finanziell sehr kurz. Es zeigten sich Anzeichen von Depressionen, weil mich das alles zu sehr belastete. Uns wurden dann noch eine Tochter und ein Sohn geboren und ich kümmerte mich wohl zuerst um die eigenen Kinder und meinen Mann, fühlte mich aber für vieles darüber hinaus verantwortlich.
Es gab viel alkoholbedingten Streit mit meinem Mann und ich flüchtete oft zu meiner Schwägerin in die Stadt, wir selbst wohnten im ländlichen Umland. Dort verhalf uns der Wein wieder zum Wohlsein. Inzwischen bemerkten wir, dass der große Sohn Heroin nahm, sodass ich hier Abhilfe schaffen wollte, meinen Kummer stillte allerdings immer mehr der Wein. Der Alkohol tat mir gut, und ich meinte die Kontrolle darüber zu haben. Der Verlust meiner Schwägerin und besten Freundin nach schwerer Krankheit ließ mich dann aber in ein tiefes Loch stürzen. Unser Sohn kam vom Heroin sogar ohne externe Therapie wieder frei, ich trank aber immer mehr als mir gut tat.
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