Sie sind hier: Humor als Beruf: Fragen an den Kabarettisten Mathias Richling
Von der richtigen Mischung der Körpersäfte
Herr Richling, macht Humor süchtig? Glauben Sie, dass man mit Humor wirklich mehr versteht? Wenn ja, warum kann man mit Humor sein Schicksal leichter nehmen?Humor ist ein Aphrodisiakum, das die Lust am Leben steigert. Die Antike hat als Humor die richtige Mischung der Körpersäfte gesehen, die der Lebensbewältigung dient. Zwanghafte Lustigkeit – das also wäre der Ausdruck von Suchtverhalten - hat mit Humor wenig zu tun. Im Kabarett ist der Humor in Form des sarkastischen Witzes und der parodistischen Übersteigerung ein Transportmittel für die Inhalte, die wir für mitteilungswert halten.
Sie nutzen das Kabarett, um durch Überzeichnung die lächerliche Realität verstehbar zu machen. Dient das mehr der Unterhaltung oder hat das auch einen aufklärerischen Wert?Kabarett, das nur der Unterhaltung dient, wäre keines. Kabarett, das keinen Unterhaltungsanspruch stellt, verfehlt ebenfalls sein Ziel. Das Ziel des politischen Kabaretts ist Wahlbeteiligung an den in der Luft liegenden Argumenten zu den aktuellen Themen, die die Gesellschaft aufrühren. Die Aufklärung haben bereits andere für uns geleistet (Kant und Herder zum Beispiel), dem mündigen Bürger muss nur immer wieder ins Bewusstsein gerufen werden, dass wir nie mehr hinter die Wertvorstellungen der Aufklärung zurückfallen dürfen.
Ironie ist ein wichtiges Mittel Ihrer Darstellungskunst. Sind Sie sicher, dass alle Menschen Ironie verstehen?Sicherheit ist nirgends, schon gar nicht in den Vermittlungsformen, von denen die ironische Haltung ja nur eine unter den vielen ist. Es kommt vor, dass Menschen, insbesondere die Spezies der Politiker, ironische Bemerkungen bewusst missverstehen und daraus über versuchte Einflussnahme auf die Medien einen Staatsakt machen wollen. Die Zeiten, wo ein Herr Stoiber, oder früher ein Franz Josef Strauß, uns vorschreiben wollten, worüber wir lachen dürfen, gehören aber der Vergangenheit an.
Die Fragen stellten Dr. Andreas Dieckmann, Heiko Gliesche-Neumann,
Jörg Howe und Wolfgang Scherreiks
Das ganze Interview in der Druckausgabe.
TrokkenPresse 3/2010
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